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Western Union - Tummelplatz für Internet-Betrüger

Donnerstag, 26. November 2009

Geld sofort in jedes Land der Erde schicken? Mit Western Union kein
Problem. Auch Internetbetrüger nutzen regelmäßig diesen
Überweisungsdienst. Western Union hat zwar die Sicherheitsmaßnahmen
verschärft, Betrugsfälle bleiben trotzdem an der Tagesordnung.


Das Angebot klingt viel zu schön, um wirklich wahr zu sein: "Mit uns
können Sie leicht 5.000 bis 6.000 Euro pro Monat verdienen", heißt es
in einer E-Mail, die derzeit massenhaft verbreitet wird. Die Arbeit ist
leicht. Man muss Geld, das auf dem eigenen Konto eingeht, "abzüglich
einer Provision" an eine Person irgendwo im Ausland überweisen - per
Western Union. Das US-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Geld
schnell und problemlos rund um den Globus zu transferieren.



Wenig Arbeit, viel Betrug

"Gesetze der BRD" würden nicht verletzt, wird in der Mail behauptet. Experten
des hessischen Landeskriminalamts (LKA) sehen das anders. Sie sprechen
von Geldwäsche. Das Geld stamme regelmäßig aus betrügerischen
Geschäften, warnt das LKA. "Gutgläubige Interessenten, die ihr
Bankkonto für solche Geldüberweisungen zur Verfügung stellen, arbeiten
so den kriminellen Hintermännern in die Hand."
Es ist nicht das erste Mal, dass Internetbetrüger den Überweisungsdienst
Western Union für kriminelle Machenschaften missbrauchen. Experten von
AntiSpam, einem gemeinnützigen Verein, der gegen betrügerische
Spam-Mails vorgeht, schätzen, dass weltweit rund 80 bis 90 Prozent
aller kriminellen Finanztransfers über den US-Dienst laufen.


Die britische BBC nennt Zahlen: Im Jahr 2005 wurden Betrugsopfer per
Western-Union-Überweisung um rund eine Milliarde Pfund erleichtert -
eine stattliche Summe, an der auch Western Union über die erhobenen
Transfergebühren nicht unerheblich mitverdiente - unwissentlich
selbstverständlich. Denn einer Überweisung sieht man den
Betrugshintergrund nicht ohne weiteres an.


Western Union investiert in Sicherheit
Bei Western Union hat man das Problem erkannt, hängt es aber deutlich
tiefer. "Die Anzahl der uns bekannten betrügerischen Transaktionen ist
verschwindend gering und bewegt sich im minimalen Promillebereich",
erklärt das Unternehmen gegenüber heute.de. Man halte sich streng an
die Gesetze und habe die Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Jahren
verschärft.

Außerdem sei ein Team von rund 300 Mitarbeitern ständig damit beschäftigt, die
"hohen Sicherheitsstandards noch weiter auszubauen und an die immer
raffinierteren Tricks der Betrüger anzupassen", sagt Western Union.
Auch das Filialnetz werde überprüft. "Zusätzlich unterziehen wir alle
Partner regelmäßig einer Qualitätsprüfung."


Infobox

Regeln für Vertriebspartner

heute.de: Wie wird man Vertriebspartner von Western Union?

Western Union:
Western Union hat in enger Zusammenarbeit mit den Behörden einen
Kriterienkatalog entwickelt, der der europäischen Gesetzgebung
entspricht. Jeder potenzielle Vertriebspartner muss diesen
Kriterienkatalog erfüllen. Relevante Kriterien sind unter anderem die
rechtliche, finanzielle und sicherheitstechnische Situation des
potenziellen Vertriebspartners (...). Bestehende Vertriebspartner sind
verpflichtet, diese Informationen regelmäßig zu aktualisieren. Anhand
der Informationen führt Western Union eine Risikoanalyse durch, bevor
man sich für einen Vertriebspartner entscheidet.

heute.de: Welche Identitätsnachweise muss man vorlegen, wenn man sich Geld auszahlen lassen möchte?

Western Union:
Egal wo der Geldbetrag abgehoben wird, die Auszahlung eines
Western-Union-Transfers erfolgt an den im Auftrag vermerkten Empfänger
persönlich gegen Vorlage eines gültigen Ausweisdokuments. Der Empfänger
muss den Namen des Auftraggebers der Zahlung, den ungefähr erwarteten
Betrag und das Absendeland angeben.

Videotheken und Friseursalons

Kritikern gehen die Sicherheitsmaßnahmen nicht weit genug. Sie bezweifeln, ob es
möglich ist, ein weltumspannendes Filialnetz in der Größenordnung von
400.000 Niederlassungen in zweihundert Ländern tatsächlich vor Ort
regelmäßig und effektiv auf schwarze Schafe unter den Filialbetreibern
zu überprüfen, die es mit den Auszahlungsregeln des Dienstes nicht so
genau nehmen und Ausweisdokumente allenfalls flüchtig prüfen.


Hinzu kommt, dass ein Großteil der Filialen im Nebenerwerb geführt wird. Sie
sind in Internet-Cafés, Autowerkstätten, Videotheken, Friseursalons
oder Massagestudios untergebracht. So zum Beispiel in der Romford Road
im Londoner Stadtteil Stratford. Hier und in den Nachbarstraßen findet
man gleich mehr als fünfzig solcher "privaten"
Western-Union-Niederlassungen.


Ein Fall von vielen

In einer dieser Filialen wurde im Sommer dieses Jahres der Aachener Franz
Patzig um sein Geld gebracht. Online-Betrüger hatten den
Facebook-Account einer Freundin gehackt. Sie setzten sich per Facebook-Chat mit Patzig in Verbindung und gaben sich als dessen
Freundin aus, die in eine Notlage geraten sei und dringend Geld
benötige.
Patzig überwies per Western Union. Das Geld wurde
auch problemlos ausgezahlt - aber nicht an Patzigs Freundin. Die
nämlich hielt sich zur fraglichen Zeit in New York auf. Die Betrüger
sind bis heute unbekannt. Patzig sah sein Geld nie wieder.



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